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poolbar-Raumfahrt + POTENTIALe: Werkstatt für Kinder

Feldforschen auf der Waldbühne: 2019 initiierte Architektin Franziska Möhrle die Idee der Werkstatt für Kinder. Jetzt ist endlich Grundsteinlegung für das Gebäude auf der Waldbühne im Reichenfeld.

Franziska Möhrle (Atelier Auf'Strich) und Ingo Türtscher (POTENTIALe) im Interview zur Werkstatt für Kinder im Rahmen des poolbar-Raumfahrtprogramms.

poolbar-Festival: Franziska, wie hat sich die Projektidee für eine Werkstatt mit Kindern ergeben?

Franziska Möhrle: Die Idee findet ihren Ursprung in dem Zitat von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Damit wollte Beuys wohl aussagen, dass in jedem von uns individuelle Talente und Fähigkeiten stecken. Ich habe drei jüngere Brüder, gebe seit langem Nachhilfe und beobachte auch im Alltag, dass der Freiraum, der das Entdecken und Ausbilden der eigenen Talente fördert, häufig nicht (mehr) gegeben ist. Die meisten Dinge sind stattdessen mit einem hohen Leistungsdruck verbunden sind. Mit der Werkstatt für Kinder möchte ich einen solchen Freiraum schaffen, der das intuitive Gestalten und das kindliche, neugierige Erfahren mit allen Sinnen fernab von Leistung und hohen Erwartungen zulässt.

Wie ist die POTENTIALe auf das Projekt aufmerksam geworden?

Ingo Türtscher: Über die letzten Jahre ergaben sich mit Franziska mehrfach Berührungspunkte mit der POTENTIALe. 2018 gründete sie gemeinsam mit Valerie Rainer das Kollektiv Auf'Strich, im selben Jahr gestalteten die beiden die Festivalzentrale im Reichenfeld. Während ihres Architekturstudiums in Liechtenstein war sie aktiv am Prozess Stadt/Studio beteiligt, entwickelte das Teehaus am Raiffeisenplatz mit und betrieb Feldstudien im Reichenfeld. 2019 initiierte sie dann die erste „Werkstatt für Kinder“, erst noch in einem Zwischennutzungslokal der POTENTIALe in der Neustadt, im nächsten Schritt dann beim Festival. Somit vielleicht weniger 'aufmerksam werden' als eine Begegnung im Willen, gemeinsam gestalten zu wollen.

Franziska, in den vergangenen Monaten hast du schon mehrere Workshops mit Kindern abgehalten. Unter anderem zum Thema Traumstadt. Mit welchem Ziel findet nun die bauliche Umsetzung des Projekts statt?

Franziska: Die Architektur, die auf der Waldbühne entsteht, soll den Ort rahmen und einladen, sich dort aufzuhalten. Zunächst wird eine Plattform gebaut, die als „dritter Ort“ für jeden rund um die Uhr zugänglich ist. Als Bühne können dort zudem kleine Formate, andere Workshops, Vorträge oder diskursive Runden stattfinden. Aus den Erfahrungswerten der Bespielung wollen wir lernen, was dem Ort noch fehlt, wie die Architektur weiter wachsen kann, ob sie weiter wachsen soll.

Der Grundstein für die Werkstatt wird diesen Sommer errichtet und bereits für einige Veranstaltungen genutzt. Wie stellt ihr euch die Situation auf der Waldbühne in einem Jahr vor?

Franziska: Ich wünsche mir, dass die Waldbühne in einem Jahr zu einem Ort geworden ist, der als Treffpunkt wirkt. Der zum Verweilen einlädt. Auf dem immer wieder Veranstaltungen im Sinne der „Werkstatt für Kinder“ stattfinden. Der zum Mitmachen einlädt. Wie sich der Ort architektonisch in einem Jahr entwickelt hat, kann ich nicht genau sagen, da er mit der Umgebung und seinen Nutzern wachsen soll. Ich bin neugierig auf die Spuren, die er bekommt und hinterlässt.

Ingo: Ich stelle mir die Waldbühne als eine offene Nische, einen natürlichen Freiraum vor. Menschen aller Generationen, die sich kennen und neu kennenlernen. Die einfach Sein möchten oder auch die „Werkstatt für Kinder“ aktiv mitgestalten wollen. Auf alle Fälle aber mit dem Gefühl, einen angenehmen Ort vorzufinden, um sich zu begegnen.

Man merkt wie viel Motivation in dem Projekt steckt! Ingo, was ist eure Intention die „Werkstatt für Kinder“ zu unterstützen?

Ingo: Wir glauben, dass Zukunft nicht entsteht, sondern gemacht wird! Gute und nachhaltige Gestaltung beeinflusst unser Wohlbefinden, unseren Alltag, unseren Umgang mit der Welt und letztlich unsere Zukunft. Die „Werkstatt für Kinder“ ist ein Projekt, das diesen Zugang mehr als widerspiegelt. Wir sind dankbar, dass wir Projekte, wie jenes von Franziska unterstützen und begleiten dürfen.

Franziska, gibt es schon einen konkreten architektonischen Entwurf für die Werkstatt bzw. was sind wesentliche Bestandteile?

Franziska: Da die „Werkstatt für Kinder“ mein Masterthesisprojekt ist, habe ich die Werkstatt diesbezüglich bis zu ihrem 'ausgewachsenen' Zustand entworfen. Die Kernidee ist ein modulares System, das auf einem Grundraster beruht. Basis dafür ist die Plattform, die im ersten Schritt gebaut wird. Auf diese kann ein Holzrahmenbau gestellt werden, ähnlich der Typologie einer Scheune. Einzelne Rahmen gleicher Breite und in zwei unterschiedlichen Höhen können variabel verkleidet als Wände flexibel zwischen die Steher des Gebäudes angebracht werden. Die Architektur lädt dazu ein, mitzubestimmen, auszuprobieren und mit zu verändern.

Ingo, werdet ihr euch am Entwurfsprozess beteiligen bzw. was sind für euch die wichtigsten Elemente für die zukünftige Nutzung?

Ingo: Der Entwurfsprozess ist für mich nicht rein architektonisch, sondern eher oder zumindest gekoppelt mit dem Bild von Lebensentwürfen zu sehen. Wie möchten wir gemeinsam leben, gemeinsam gestalten, im Kollektiv. Genau dieses Denken hat es ermöglicht, in kürzester Zeit auch baulich eine Plattform wachsen zu lassen. Von der Idee und dem Engagement von Franziska über Zustimmungen von Stadt und Land bis hin zum poolbar-Team, das die ersten baulichen Umsetzungen übernimmt.

Eine „Werkstatt für Kinder“ impliziert die Nutzung durch ein junges Publikum. Sind auch andere Zielgruppen angedacht?

Franziska: Der Begriff „Kinder“ ist eher metaphorisch zu sehen. Er steht für das kindliche, neugierige Entdecken und Wahrnehmen mit allen Sinnen. Demnach kennt die „Werkstatt für Kinder“ keine Altersgrenze nach oben oder unten. Als Freiraum soll sie daher für ein diverses Publikum einladend sein und nicht exkludieren.

Wie kam es dazu, die Waldbühne als Standort zu wählen?

Franziska: Als Feld stets im Wandel, das rund um das Jahr von einem ganz diversen Publikum genutzt wird, mag ich das Reichenfeld und finde es einen optimalen Ort für eine Werkstatt. Die Waldbühne ist eine Nische. Der halb versteckte Ort mit seinen natürlichen Grenzen, der einen die Natur so sehr spüren lässt, scheint für mich der passendste Ort im Reichenfeld, der als Freiraum zum neugierigen Erforschen und Gestalten einlädt.

Interview von Robert Zanona